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Die Orte Everode und Winzenburg
 

Gemeinde Everode




 

 

Wappenerläuterung:

Beschreibung:

Schild gespalten. Vorn dreizehnmal von Rot und Gold geteilt; hinten auf Blau eine silbeine, von einer aus dem linken Schildrand wachsenden, natürlich gefärbten Hand gehaltene  Lilie mit drei Blüten.
Begründung:
Das Wappen der Gemeinde geht zurück auf das am ehemaligen „Paterhof"angebrachte Wappen des Abts von St. Michael in Hildesheim, Gabriel Feusch(Feisch). Everode gehörte 1022 zum Gründungsgut der genannten Abtei undstand durch den Paterhof jahrhundertelang mit ihr in enger wirtschaftlicher
und grundrechtlicher Verbindung.

Verleihung durch das Preußische Staatsministerium am 21. 12. 1934
Überreichung durch den Landrat am 2. 1. 1935

Geschichtliche Entwicklung

Das Dorf Everode ist im 10. und 11. Jahrhundert urkundlich belegt. Der ursprüngliche Name lautete Avenigeroth. In den folgenden Jahrhunderten änderte sich die Schreibweise Auenigaothe, Aveniggerod, Aveniggerothe, Eveningerode und Eveniggerode.
Die Endung -roth oder -rode gibt Anlass zur Vermutung, dass das Dorf in karolingischen Zeit entstanden ist. Bischof Bernward von Hildesheim hatte Besitztümer in Everode - diese schenkte er urkundlich am 10.September 996 der im gleichen Jahr gegründeten Kreuzkapelle vor der Stadt Hildesheim.
Seit 1321 hatte das Hildesheimer Michaeliskloster ein Hägergut in Everode; hieraus entstand er Kloster- bzw. Paterhof. In den folgenden Jahrhunderten wirkten Pater als Bewirtschafter des Hofes und Seelsorger der Gemeinde. Das Wappen des Abtes Gabriel Feusch aus dem Jahr 1793 ging 1934 in den Besitz der Gemeinde Everode über und stellt das heutige Gemeindewappen.
Neben den in der Landwirtschaft tätigen Menschen waren im 19. Jahrhundert Kaufleute, eine Ziegelhütte (bis 1851),  Zigarrenfabrikanten (bis 1959) und Trüffeljäger in Everode ansässig.
Zu den Kaufleuten zählte eine jüdische Familie mit Namen Rosenbaum. Der Familienfriedhof befindet sich am Ortsausgang in Richtung Meimerhausen.
Neben dem Paterhof im Unterdorf sind die evangelisch-lutherische St. Cäcilienkirche aus dem Jahr 1792 und die St.Bernwardkirche (1908)  zu erwähnen.

Gemeinde Winzenburg



 

 

 

Wappenerläuterung

Beschreibung:
Auf Rot ein goldener Sparren, begleitet oben vob zwei silbernen sechszackigen Sternen und unten von einem abwärts gekehrten silbernen Halbmond.
Begründung:
Das wappen ist das seinem Ursprung nach dunkle, bis ins 19, Jahrhundert geführte Wappen des alten stifthildesheimischen Amtes Winzenburg.

Verleihung durch das Preußische Staatsministerium am 04.01.1929
Überreichung durch den Landrat am 24.01.1929

Geschichtliche Entwicklung

Winzenburg - Historische Zeugnisse aus vergangener Zeit

Das heutige Dorf „Winzenburg“ liegt inmitten der Ausläufer des „Südlichen Sackwaldes“ zwischen den ehemaligen Kreisstädten Alfeld (Leine) und Bad Gandersheim an einer alten Heerstrasse, die in west- östlicher Richtung verläuft, sie führt über den Selterpass bei Freden („Dör“) und verzweigt sich zum Kloster Lamspringe - von dort weiter über den Königsweg bis Schladen und Goslar - und zum ehemaligen Reichsstift Bad Gandersheim.
Der Ursprung des Namens Winzenburg (auch Winceborch, Widmidiborch) ist nicht abschließend geklärt. Wenn sich aber auf der Burganlage, der „Hohen Schanze“ , tatsächlich im Anschluß an die gewaltsame Christianisierung des Landes eine fränkische Burganlage mit einer Missionskirche befunden hat, dann ist der von Graff geschilderte Deutungsversuch Winzenburg als Ableitung von „Winzo“ einer Verkleinerung des Namens Winfried - oder Wynifred - eine gewisse Bedeutung beizumessen. Winfried war der ursprüngliche Name des Missionars Bonifatius, der 723 bei Geismar die Donareiche fällte und wesentlich zur Missionierung der Sachsen beigetragen hat. Vielleicht lebte sein Name im Patrozinium dieser Kirche weiter.

Eine Ableitung des Namens vom bayrischen Grafengeschlecht derer von Windberg und Formbach ist eher unwahrscheinlich. Fest steht, dass der Name „Winzenburg“ erstmalig im Jahr 1109 in Verbindung mit dem Grafen Hermann I „von Winceborch“ Erwähnung findet. Die MGH (Monumenta Germaniae Historica) ordnet diesem Jahr den Eintrag einer Gesandtschaft des Königs Heinrich V zum Papst nach Rom zu. Neben dem königlichen Kanzler Adelbert sowie den Bischöfen von Trier und Köln,ist Hermann von Winzenburg Teilnehmer dieser Delegation.

Das heutige Dorf Winzenburg ist erst nach den schmalkaldischen Kriegen (um 1545) so benannt, früher hieß der Wirtschaftshof „Hasekenhusen“ und wurde im Jahr 1140 in einer bischöflichen Urkunde, die den Bau einer Kirche gestattete, erstmalig erwähnt.

Die Geschichte reicht aber nachweisbar noch viel weiter zurück: Bereits in der Bronzezeit (1800 v.Chr.) diente eine starke Quelle, die heute „Apenteich“ heißt, als Kultstätte. In germanischer Zeit sahen unsere Vorfahren Haine, in denen ein Quell entsprang, als Heiligtum zur Verehrung ihres bildlosen Kultes, den Naturkräften, an. Erst später wurden diese personifiziert und als z.B. Wind- und Wettergott verehrt. Donar war sein Name, hier in unserer Gegend auch als Hoike oder Hödeke benannt.
Der Name Apenteich wird abgeleitet vom „Pater- oder Papenteich“, denn das Fischrecht hatten die Seelsorger oder Benediktinerpatres. So heißt der dort beginnende Bach auch Affen- oder Pfaffenbrunn. Andere sehen den Ursprung im germanischen Wort apa = Wasser oder „Offen - für nicht zufrierend“; so erwähnt das Winzenburger Erbregister von 1578 den „Offenbrunn“.

Die Gegend um Winzenburg spielte eine große Rolle zur Zeit der Grafen Hermann Vater und Sohn, sie herrschten in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Vermutlich um 1100 wurde Hermann vom Hildesheimer Bischof Udo - seinem Onkel - mit der Winzenburg belehnt. Die Beibringung der Burg als Allodial- oder Eigengut seiner Mutter, einer Tochter des Grafen von Reinhausen, scheint ausgeschlossen. Hermann I als Sohn des Grafen Meginhard von Formbach und Mathilde von Reinhausen  gelangte als Ratgeber des Königs Heinrich V zu großem Ansehen - sein Sohn baute die Herrschaft nach dem Tod des Vaters 1122 weiter aus. 1129 wird Hermann II als „pricipale comitis Thuringiae“ urkundlich bezeichnet. Im Jahr 1130 lässt er einen Ratgeber des Königs Lothar, den Grafen Burkhardt von Loccum, im Streit um die Errichtung einer Burg ermorden. Er wird unter Reichsacht gestellt und Lothar belagert seine Burg. Hermann ergibt sich, wird verurteilt und in Blankenburg im Harz in Haft genommen. Die Winzenburg wird gänzlich zerstört - erst 1135 erhält der Hildesheimer Bischof die Genehmigung zum Wiederaufbau. Nach dem Tode Lothars wird Konrad III deutscher König.

Hermann erscheint wieder auf der Bühne des Geschehens und es gelingt ihm wesentliche Lehen zurückzuerhalten, weiterhin wird er Rechtsnachfolger des Northeimers Siegfried IV von Boyneburg; sein Machtbereich reichte im Westen von der Weser (Schutzvoigt des Klosters Corvey) und östlich bis an den Harzrand (Burg Schildberg bei Seesen und Hochvoigt des Reichsstiftes Bad Gandersheim), im Norden bis Derneburg, südlich begrenzt durch die Kirchenvogtei Reinhausen und die Burganlage „Gleichen“ vor Göttingen. Erst 1150 gelingt es ihm, die Winzenburg als Lehen wieder übertragen zu
bekommen, obwohl päpstliche Bullen dem Hildesheimer Bischof dieses strikt untersagten. Die Belehnung beinhaltet eine verfassungsrechtliche Sensation. Erstmals in der Geschichte des deutschen Lehnswesens wird einem Reichsfürsten die Mitbelehnung der Ehefrau und die weibliche Erbfolge gewährt.
In der Nacht des 29. Januar 1152 wurden Hermann und seine schwangere Ehefrau Liutgard von Stade, wahrscheinlich von eigenen Vasallen - genannt werden Bernhard von Dassel und Heinrich von Bodenburg -  ermordet. Die Rechtsnachfolge des seit 1144 mächtigsten Fürsten im südlichen Sachsen fiel nach kriegerischen Auseinandersetzungen an Heinrich den Löwen; hierdurch konnte der Welfe seine Herrschaft im oberen Leinetal festigen.

Ungefähr 400 Jahre später spielt die Winzenburg wieder eine bedeutende Rolle in der Geschichte; dieses zu betrachten, ist Inhalt eines weiteren Artikels.

Hilko Gatz
Heimatpfleger der Gemeinde Winzenburg

Quellen:
Pauf Graff „Geschichte des Kreises Alfeld“ 1928
Ludolph Koken „Beiträge zur niedersächsischen Geschichte“ 1833
Peter Aufgebauer (Herausgeber) „Burgenforschung in Niedersachsen“ 2001
eigene Aufzeichnungen und Recherchen